Hausdurchsuchung bei Cannabis-Arzt Rolf Müller

Rolf Müller in seiner Praxis am Maximiliansplatz. Foto: Stephan Rumpf, AZ

Rolf Müller in seiner Praxis am Maximiliansplatz. Foto: Stephan Rumpf, AZ

In München musste sich der Arzt für Naturheilverfahren, Rolf Müller aus München, der Schikane der Regierung ergeben, die alle seine Patientenakten konfisziert hat.

Begründung gibt es keine. Der Münchner Arzt hat sich auf Cannabis als Medizin spezialisiert. Aus ganz Deutschland kommen Patienten zu ihm. Damit wird wohl jetzt erst einmal Schluss sein.
So bedroht fühlen sich die Deutschen Behörden von Naturheilkundlern.

Im vergangenen Jahr hatte der Privatarzt mehr als 500 Patienten Privatrezepte für Cannabisblüten ausgestellt, das ist im Vergleich zu anderen Ärzten sehr viel.

Über das Internet haben wir erfahren, dass die Staatsanwaltschaft die Praxis des Arztes durchsucht haben soll. Dabei sollen auch alle Patientenakten beschlagnahmt worden sein, damit diese überprüft werden können.

Der Arzt für Naturheilverfahren war laut der Süddeutschen Zeitung bereits im März aufgefallen, weil er so viele Betäubungsmittelrezepte ausstellte. Da Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, war er wohl hierdurch dem Gesundheitsamt aufgefallen, da Cannabis Rezepte mit sogenannten BtM Rezepten ausgegeben werden. Das sind spezielle Rezepte für Medikamente die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Müller hat sich immer den Behörden gegenüber korrekt verhalten. Die Betäubungsmittelrezepte hat er sicher im Safe gelagert und seine Praxistür hat ein zusätzliches Sicherheitsschloss.
Der Privatarzt arbeitet sogar mit einem Anwalt zusammen, der die Vorbefunde von Patienten auf Echtheit überprüft. Einen Termin bei Müller bekommt nur, wer eine Kopie seines Personalausweises vorlegt und unterschreibt, dass Arztberichte nicht gefälscht sind.

Aus ganz Deutschland kämen Patienten zu ihm, berichtet der Arzt für Naturheilverfahren. Menschen, die nicht mehr weiter wissen und einen hohen Leidensdruck haben. Erst wenn keine anderen Medikamente mehr helfen, dürfe er Cannabis verschreiben, betont Müller.

Der Arzt für Naturheilverfahren hat massiven Ärger mit der Staatsanwaltschaft. Vor wenigen Wochen stand die Polizei unangemeldet vor der Tür. Die Ermittler durchsuchten seine Praxis und seine Privaträume und nahmen sämtliche Patientenakten mit.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Mediziner, gewerbsmäßig Cannabis an Patienten verschrieben zu haben, obwohl es dafür keine “ärztliche Begründetheit” gab. Oberstaatsanwältin Anne Leiding zur AZ: “Der Beschuldigte handelte unserer rechtlichen Auffassung nach in der Absicht, sich hierdurch eine Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen.

 

Teilweise mehr als 80 Cannabis-Rezepte am Tag?

An einem einzigen Tag soll Rolf Müller 85 Menschen unerlaubt medizinisches Cannabis verschrieben haben. An einem anderen Tag 80 Patienten.

Der Arzt weist die Vorwürfe zurück. Zur AZ sagte er gestern: “Das ist die persönliche Rache eines früheren Mitarbeiters. Die Vorwürfe sind völlig an den Haaren herbeigezogen.”

Er habe einem Sekretär gekündigt. Dieser habe gedroht, ihn “fertigzumachen”.

Seit März 2017 dürfen Mediziner in Deutschland schwerkranken Patienten medizinisches Cannabis verschreiben. Doch nach wie vor gibt es nur wenige, die dies auch wirklich tun.

Wenn Patienten keine Kassenärzte finden, weichen sie auf Privatärzte wie Rolf Müller aus. Der Münchner ist Arzt für Naturheilverfahren, Patienten empfängt er in seiner Praxis am Maximiliansplatz.

Bis zu der Gesetzesänderung war der 64-Jährige spezialisiert auf die Therapie mit Bachblüten und Spagyrik, eine Arzneimittelherstellung nach den Regeln der Alchemie. “Dann kam die Cannabis-Geschichte über mich”, sagt er. Innerhalb von wenigen Monaten wurde Müller zu einem der meistgefragten Cannabis-Ärzte in Deutschland.

Cannabis-Arzt: Verschreibung erfolgte nach strengen Vorgaben

Nach eigenen Angaben bekam er innerhalb eines Jahres über 500 neue Patienten. Folgerezepte stellt er mittlerweile nur noch samstags aus. 28 Termine à 15 Minuten vergibt er pro Tag. Die Patienten müssen dafür 60 Euro zahlen – in bar. Für eine Erstanamnese verlangt er 150 Euro. Die Kosten werden von den Kassen meist nicht übernommen.

Noch mehr Rezepte als Rolf Müller soll deutschlandweit nur ein Cannabis-Aktivist und Mediziner in Nordrhein-Westfalen ausgestellt haben.

Rolf Müllers Patienten leiden unter chronischen Schmerzen, an Krebs oder ADHS. Auf seinen Internetseiten informiert er, dass sie ihren aktuellen Gesundheitszustand mit Dokumenten von ihren Fachärzten belegen müssen. “Die Verschreibung erfolgte nach strengen Vorgaben, niemals ungerechtfertigt”, gab der Arzt in einer Stellungnahme bekannt.

Auch zu den Kosten äußert er sich: Seine Preise seien “so gering wie möglich angesetzt worden”. Andere Privatärzte würden für die Erstanamnese bis zu 450 Euro verlangen.

Was genau zu der Durchsuchung in der Praxis von Müller geführt hat, bleibt unklar.
Nach Dr. Grotenhermen ist Müller nun bereits der zweite Cannabis-Arzt, dem die Behörden das Leben schwer machen.

 

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